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Rubrik: Luftschutz Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Luftschutz in Bremen - Entfestigung und Umbau von Luftschutzbunkern
 Einleitung: 
Nach Ende des II. Weltkrieges wollten die Siegermächte alle Luftschutzanlagen abreißen. Von diesem Vorhaben ließen sie sich jedoch in den meisten Fällen abbringen. Die deutschen Behörden konnten erreichen, daß durch den Erhalt der Bunker die Wohnungsnot in den zerstörten Städten zumindest etwas gemildert wurde. Die Zugeständnisse knüpften die Alliierten teilweise an die Forderung, die Bauten mittels Wand-Durchbrüchen zu entfestigen. Für eine Nutzung als dauerhafter Wohnraum war das ohnehin eine Notwendigkeit, um Fenster in die Bauwerke einzubringen. So sind bereits in den ersten Jahren nach dem Krieg Luftschutzbunker entsprechend umgebaut worden.
In den folgenden Jahren entspannte sich die Wohnungsnot durch zahlreiche Neubauten erheblich, sodaß kaum noch Menschen in Bunkern wohnen blieben. Mit dem Beginn des Kalten Krieges wurde wieder für den Schutz der Bevölkerung geplant. Einige der vorher entfestigten Bunker sind nun wieder massiv verschlossen worden, um sie als Zivilschutzanlagen nutzen zu können.
Die Entwicklung nach Ende des Kalten Krieges führte dazu, daß schrittweise die Auflagen für eine andersartige Nutzung der Bunker gelockert wurden, bis sie schließlich zum völligen Entfall der Zivilschutzbindung führte. Inzwischen werden von den Behörden ehemalige Luftschutzbunker an Interessenten verkauft. Weiteres zur inzwischen vermehrt durchgeführten Umwandlung der Bauwerke zu Wohnhäusern ist am unteren Ende des Textes nachzulesen.

Im Folgenden wird zunächst näher auf die Entfestigung und den Umbau des Krankenhausbunkers des St. Josephstifts im Stadtteil Schwachhausen eingegangen.

 Bis 1945: 
Der große Bunker auf dem Gelände der Krankenhauses St. Josephstift ist als Operationsbunker errichtet worden. Er war einer von sechs dieser Art in der Hansestadt. Von 1942 bis zum Kriegsende hatte das Militär die Klinik als Lazarett mitgenutzt. Ein Überblick über die weiteren Operationsbunker in Bremen ist auf einer separaten Seite zu finden: Luftschutz in Bremen - Krankenhausbunker.

Der OP-Bunker stand nur rund 30 Meter vom Luftschutzbunker Georg-Gröning-Straße entfernt. Man hat ihn mit einer Wandstärke von 200 cm deutlich massiver als den LSB gebaut, die Erkenntnisse aus den Luftangriffen zeigten hier Wirkung. Baubeginn ist Ende November 1941 gewesen, die Übergabe an das Krankenhaus fand im Juni 1943 statt. Der Betrieb konnte jedoch durch Verzögerungen bei den Ausbauten erst im Juli 1944 aufgenommen werden.
Das Bauwerk hat eine Grundfläche von 20 x 40 Metern und bietet auf vier Geschossen rund 2.000 m² Nutzfläche. Im Bunker sollte auch bei Luftalarm der Krankenhausbetrieb weitergeführt werden können, dazu standen zwei Operationsräume zur Verfügung. Auf mehreren Ebenen war eine Verbindung vom damals vorhandenen benachbarten Klinikbau vorhanden, damit die Krankenhausinsassen bei Luftalarm zügig und geschützt in den Bunker gelangen konnten. Ein Fahrstuhl für den Transport bettlägeriger Patienten in alle Ebenen ist eingebaut.

 Ab 1945: 
Der Bunker ist, wie die Mehrzahl der Luftschutzanlagen in Bremen, in der Nachkriegszeit weder entfestigt noch abgerissen worden. Während des Kalten Krieges wurde er für eine Nutzung zu Zivilschutzzwecken umgebaut. Dazu hat man moderne Schutzbelüftungsanlagen und weitere Einrichtungen eingebaut, die einen autarken Betrieb gewährleisten sollten. Der Status einer Zivilschutzanlage wurde nach dem Ende des Kalten Krieges aufgehoben, das Krankenhaus nutzte die Räume des Bunkers später als Lagerfläche.
Das Klinikgelände bietet wegen der rundum dichten Wohnbebauung kaum Platz für Erweiterungen, ein neuer Wirtschaftsbereich wurde aber benötigt. Vor die Entscheidung gestellt, den Bunker abzureißen oder umzubauen, entschied sich die Trägergesellschaft des Krankenhauses für letzteres. Innerhalb des Bauwerks ist ein moderner Hauswirtschaftsbereich mit Zentralküche und Heizwerk entstanden. Baubeginn dieses Vorhabens war im Februar 2001, die Fertigstellung erfolgte im Frühjahr 2002. Insgesamt wurden rund 5.000.000 € für die Baumaßnahmen aufgewendet.
An der südlichen Längsseite hat man drei große Fensteröffnungen geschaffen, die sich über alle Ebenen erstrecken. Die Außenwände haben eine Stärke von zwei Metern sehr massiven Stahlbetons, das Durchbrechen war trotz modernster Maschinen eine schwierige Aufgabe. Zunächst wurden am Umriß der auszuführenden Öffnungen Durchbohrungen im Abstand von ca. 20 cm mit einem fahrbaren Spezialbohrer durchgeführt. Dann sind kleine Sprengladungen in den herauszubrechenden Betonteilen gezündet worden, schließlich begann ein Bagger, mit einem schweren Preßlufthammer am Greiferarm, den Beton zu zertrümmern. Zum Schluß hat der Bagger mit einer großen angesetzten Fräse den Beton an den Kanten geglättet. Auch im Inneren waren etliche Wände und Zwischendecken abzureißen, dieses stellte wegen deren leichterer Bauart jedoch keine Schwierigkeit dar. Rund 150 Lastwagenladungen Schutt mußten insgesamt abgefahren werden.
Im Inneren wurde in großen Bereichen eine völlig neue Struktur aufgebaut. Ein neuer Außenanstrich in kräftigem Blau schloß die Umwandlung ab. Wer den früheren OP-Bunker heute sieht, kann erst beim Blick in die Fenster an der Wandstärke erahnen, daß es sich um eine ehemalige Luftschutzanlage handelt.

In den letzten Jahren hat sich ein Trend entwickelt, Luftschutzbunker zu Wohngebäuden umzubauen. Pionier für diese Vorhaben in Bremen ist der Architekt Rainer Mielke. Er war der Erste, der durch langwierige Verhandlungen mit den Behörden Ende der 1990er Jahre erreichte, daß er den Bunker an der Claußenstraße erwerben konnte. Zunächst wurde nur genehmigt, auf dem Dach des Bauwerkes eine Wohnung aufzusetzen. Das Innere des Bunkers sollte nicht verändert werden, um die Option einer Reaktivierung im Bedarfsfall zu erhalten. Später entfiel dieser Vorbehalt. Nun konnten auch grundlegende Umgestaltungen des Innenraums vorgenommen werden, einschließlich einschneiden von Durchbrüchen in die Außenwände.
Damit eröffneten sich auch für weitere Projekte neue Perspektiven, ungewöhnlichen Wohnraum zu schaffen. Es wurden in den vergangenen Jahren bereits diverse Bremer Luftschutzbunker umgebaut. In der Bildergalerie unten sind mehrere Beispiele zu sehen, meist mit Referenzansichten vor dem Umbau.

 Hinweis: 
Die Architekten Mielke+Freudenberg informieren im Internet über ihre Projekte:
http://www.bunkerwohnen.de

Fotos:

Beginn des Umbaus
Der OP-Bunker des Krankenhauses St. Josephstift beim Beginn des Umbaus

Nach Abschluß der Bauarbeiten
Der Bunker nach Abschluß der Bauarbeiten in markantem Blau. Er ist heute nicht mehr ohne weiteres als ehemaliger Luftschutzbau zu erkennen.

Durchbrüche
Drei große Durchbrüche wurden in die Außenwand eingebracht

Durchbohrungen
Die zahlreichen Durchbohrungen sind erkennbar

Decken
Hier sind die Decken zum 3. und 4. Geschoß zu sehen

3. Geschoß
Blick aus dem 3. Geschoß, hier wurden die Zwischendecken bereits teilweise abgerissen.

Wand-Durchbruch
Blick zum Wand-Durchbruch

Zwischendecken vollständig entfernt
Nun sind die Zwischendecken vollständig entfernt, es beginnt der Neuaufbau der inneren Struktur.

Eingangsvorbau
Der Eingangsvorbau wurde abgerissen

Innenaufnahmen:

Eingangsschleuse
Die Eingangsschleuse

Treppenhaus
Treppenhaus, links davon der Fahrstuhl.

Flur
Flur
WC
Ehemaliges WC
Flur
Flur im 3. Geschoß
4. Geschoß
Im obersten 4. Geschoß sind die Trennwände der kleinen Räume entfernt worden
Bunker 2012
Der ehemalige OP-Bunker im Jahr 2012
Entfestigung der anderen Art im Bunker Grenzstraße - dort wurden Übungsräume für Musiker sowie Lagerräume geschaffen:
Grenzstraße
An der Straßenseite wurde ein Tor als Zugang zum Untergeschoß eingeschnitten
Nordgiebel
Am Nordgiebel entsteht im obersten Geschoß die Öffnung für einen Notausgang
Schwerlastkran
Der Betonblock mußte mittels Schwerlastkran herabgelassen werden
Block am Kran-Haken
Der 1,10m mächtige Block hängt am Kran-Haken
Treppe zum Dach
Inzwischen führt von der Öffnung eine Treppe zum Dach
Weitere Umbauten - diese Objekte sind teilweise bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit entfestigt worden:
Föhrenstraße
Föhrenstraße
Huder Straße
Huder Straße
Frauenklinik.
Zentralkrankenhaus St.-Jürgen-Straße, Frauenklinik.
Treseburger Straße
Treseburger Straße - eine Tankstelle
Ausbesserungswerk Sebaldsbrück
Eisenbahn-Ausbesserungswerk Bremen-Sebaldsbrück
Die folgende Bildergalerie zeigt diverse nach dem Jahr 2000 verwirklichte Umbauprojekte von Luftschutzbunkern
Claußenstraße
Claußenstraße - Mielke+Freudenberg-Projekt F38
Leipziger Straße
Leipziger Straße - Mielke+Freudenberg-Projekt F42
Leipziger Straße
Leipziger Straße - Mielke+Freudenberg-Projekt F42
Schierker Straße
Schierker Straße - Mielke+Freudenberg-Projekt F51
Schierker Straße
Schierker Straße - Mielke+Freudenberg-Projekt F51
Roonstraße
Roonstraße - Mielke+Freudenberg-Projekt F56
Roonstraße
Roonstraße - Mielke+Freudenberg-Projekt F56
Neukirchstraße
Neukirchstraße
Neukirchstraße
Neukirchstraße
Scharnhorststraße
Scharnhorststraße
Scharnhorststraße
Scharnhorststraße
Fitgerstraße
Fitgerstraße
Fitgerstraße
Fitgerstraße
Großbeerenstraße
Großbeerenstraße
Großbeerenstraße
Großbeerenstraße
Max-Reger-Straße
Max-Reger-Straße
Max-Reger-Straße
Max-Reger-Straße
Franziusstraße
Franziusstraße
Franziusstraße
Franziusstraße
Berliner Straße
Berliner Straße
Berliner Straße
Berliner Straße
Etelser Straße
Etelser Straße
Etelser Straße
Etelser Straße
Grohner Straße
Grohner Straße
Grohner Straße
Grohner Straße
Plöner Straße
Plöner Straße
Plöner Straße
Plöner Straße
Hagensstraße
Hagensstraße
Hagensstraße
Hagensstraße
Osterholzer Landstraße
Osterholzer Landstraße
Osterholzer Landstraße
Osterholzer Landstraße
     
 
Quellenangabe:
- Michael Foedrowitz: Bunkerwelten
- Weser Report, 2001
- Weser-Kurier
- www.bunkerwohnen.de
- G. Höns
 
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