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Rubrik: Luftschutz Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Luftschutz in Bremen - Werkluftschutz
 Bis 1945: 
Grundsätzliches über den Luftschutz in Bremen ist auf der Themenseite zu finden.

Industriebetriebe waren bevorzugte Angriffsziele der Alliierten und sind dementsprechend häufig bombardiert worden. Abgesehen davon hatte die Industrie durch Luftalarme immer wieder Produktionsausfälle zu beklagen - auch dann, wenn der eigene Betrieb gar nicht bombardiert wurde. Die Belegschaft verließ bei Alarm natürlich den Arbeitsplatz um geschützte Räume aufzusuchen. Gleichzeitig führte der Druck des Krieges zu dem Zwang, eine besonders hohe Produktivität zu erreichen. Im Klartext bedeutete das, die Kräfte sollten möglich viel und lange arbeiten.
Diese Umstände führten dazu, innerhalb der Werke eigene Luftschutzanlagen für die Arbeitskräfte zu errichten. So wollte man erreichen, daß die Arbeiter möglichst lange in der Produktion verbleiben konnten, um dann gewissermaßen erst "in letzter Minute" die Bunker aufzusuchen.

In Bremen wurden in verschiedenen Betrieben eigene Luftschutzbunker errichtet. Die Mehrzahl waren dabei leichtere Bauten, die lediglich splittergeschützt waren. Es entstanden aber auch einige "bombensichere" Bunker und Luftschutzstollen. Die unten aufgeführte Liste zeigt die wichtigsten dieser Bauwerke.
Interessant ist bei den Anlagen die Vielfalt der Bautypen. Man kann in der Tabelle erkennen, daß von den Focke-Wulf Flugzeugwerken die markanten Luftschutztürme der Bauart Winkel bevorzugt wurden. "Weser"-Flugzeugbau setzte dagegen auf einen einzelnen recht großen Hochbunker beim Hauptwerk im Industriehafen. Auf dem Gelände der Werft "Bremer Vulkan" wurden neben zwei Hochbunkern fünf untereinander verbundene Stollen in den Hang getrieben, eine in Bremen-Nord gängige Bauweise für Luftschutzbauten. Bei der Reichsbahn sind schließlich die unterschiedlichsten Bauformen zu finden.

Trotz allem sind die Baumaßnahmen keinesfalls ausreichend gewesen. Im Januar 1945 waren in den relevanten Betrieben 67.000 Arbeiter beschäftigt. Ihnen standen aber nur 18.000 "bombensichere" Schutzplätze zur Verfügung.
Der Rassenideologie der Nazis entsprechend, waren die Plätze in den Luftschutzbunkern ohnehin nur deutschen Beschäftigten vorbehalten. Die Masse der Kräfte in den meisten Betrieben bestand zu der Zeit aber längst aus Fremd- und Zwangsarbeitern. Diese durften bei Alarm keine Schutzräume aufsuchen!
Dagegen konnten zum Teil auch Zivilisten aus der Umgebung in den Bunkern Schutz finden. Von den vier Luftschutztürmen des Hauptwerkes von Focke-Wulf am Bremer Flughafen befanden sich zwei an der Hünefeldstraße außerhalb des Werkgeländes. Einer davon war auch für nicht-Werksangehörige freigegeben.

Auf der Seite Anmerkungen werden einzelne ausgewählte Bunker näher betrachtet.

 Ab 1945: 
Grundsätzlich hätten die Siegermächte beim Thema 'Abriß von Luftschutzbunkern' im Werkluftschutz andere Maßstäbe anlegen können, als bei den zivil genutzten Bauwerken. Schließlich ging für die Alliierten von Rüstungsbetrieben ein Bedrohungspotential aus. Es kam jedoch bei diesen Bunkern nur zu wenigen Abrissen in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Durch die totale Zerstörung der Betriebe war ohnehin eine neue militärische Nutzung kaum denkbar.
Ein Blick auf die Tabelle zeigt, daß trotzdem die Mehrzahl der Bunker des Werkluftschutzes in den Jahren nach dem Krieg beseitigt worden ist. Allein der Umstand, daß die Bauten auf weiterhin genutzten Betriebsflächen standen und des Öfteren Planungen für Umbauten und Erweiterungen im Wege waren, führte zu deren Abriß.

Die Bunker standen im Besitz der Werke. Damit fielen sie aus den Zivilschutz-Planungen des Kalten Krieges heraus. In Bremen sind keine Werkluftschutzbunker für diese Zwecke wieder hergerichtet worden.

 Erläuterung der Tabelle: 
Die unten aufgeführte Tabelle enthält sämtliche bekannten Bunker dieser Kategorie innerhalb der Stadtgrenze von Bremen.

  • Spalte "Straße / Standort": In einigen Angaben sind Links eingebunden, die zu weiteren Informationen auf der Seite "Anmerkungen" führen.
  • Spalte "Bunkertyp": HB = Hochbunker, RB = Rundbunker, LS-Turm = Luftschutzturm.
    Die Angabe der Platzzahl bezieht sich auf die regulär eingeplanten Werte. In der Praxis wurden die Anlagen oft um das Drei- bis Fünffache überbelegt!

 Weiterführendes: 
Ein Link auf das Angebot von Google Maps, um die folgenden Straßenangaben nachvollziehen zu können:
Google Maps

Fotos:

Pfalzburger Straße
Tür zum Winkel-Turm an der Pfalzburger Straße

Weserflug-Bunker
Der Weserflug-Bunker hatte an seiner Nordseite ein markantes Treppenhaus, welches auch einen Zugang zum Dach einschloß.

Bremer Vulkan
Dieser Hochunker des "Bremer Vulkan" weist mehrere Erker auf

Ausbesserungswerk
Sehr grob ausgeführte Entfestigungen im Ausbesserungswerk Sebaldsbrück

LS-Bunker - Eingang 2
AW Sebaldsbrück - "LS-Bunker - Eingang 2"

Nicht stehen bleiben, weitergehen!
AW Sebaldsbrück - "Nicht stehen bleiben, weitergehen!"

Röhrenbunker
Der Röhrenbunker im AW Bremen war über Jahrzehnte wegen dichtem Bewuchs kaum erkennbar

Stephanikirchenweide
Blick in den kleinen Dombunker an der Stephanikirchenweide

Foto Stadtteil Straße / Standort Bunkertyp Heute
Fahrzeugbau
Fa. Carl Borgward
Hemelingen Hastedter Osterdeich HB, 250 Plätze abgerissen
Flugzeugbau
Focke-Wulf
Neustadt Hünefeldstraße LS-Turm abgerissen
Neustadt Hünefeldstraße LS-Turm abgerissen
Neustadt Hünefeldstraße LS-Turm abgerissen
Neustadt Hünefeldstraße LS-Turm abgerissen
Pfalzburger Straße Hemelingen Pfalzburger Straße LS-Turm Winkel, 500 Plätze vorhanden
Pfalzburger Straße Hemelingen Pfalzburger Straße LS-Turm Winkel, 500 Plätze abgerissen
Hemelingen Pfalzburger Straße LS-Turm Winkel, 500 Plätze abgerissen
Weser Flugzeugbau (Weserflug)
Otavistraße Häfen Otavistraße HB, 4 Geschosse abgerissen
Fa. Th. Klatte
Zum Huchtinger Bahnhof Huchting Zum Huchtinger Bahnhof HB, 2 Geschosse vorhanden
Schiffbau
Werft "A.G. Weser" (Deschimag)
Häfen Use Akschen HB abgerissen
Häfen Use Akschen Sonderbau, halb erdversenkt abgerissen
Häfen Kap-Horn-Straße HB abgerissen
Häfen Kap-Horn-Straße LS-Turm Winkel, 500 Plätze abgerissen
Häfen Louis-Krages-Straße LS-Turm Winkel, 500 Plätze abgerissen
Werft "Bremer Vulkan"
Am Werfttor Vegesack Am Werfttor HB, 4 Geschosse Veranstaltungs-
zentrum
Am Werfttor Vegesack Am Werfttor Hangstollen vorhanden
Vegesack Am Werfttor Hangstollen zugeschüttet
Vegesack Am Werfttor Hangstollen zugeschüttet
Vegesack Am Werfttor Hangstollen zugeschüttet
Vegesack Am Werfttor Hangstollen zugeschüttet
Lindenstraße Vegesack Lindenstraße HB, 3 Geschosse vorhanden
Werft "Atlas Werke AG"
Stephanikirchenweide Häfen Stephanikirchenweide HB, 5 Geschosse vorhanden
sonstige Werke
Deutsche Kohlenhandelsgesellschaft - Kohle-Umschlag
Windhukstraße Häfen Windhukstraße Sonderbau, halb erdversenkt vorhanden
Deutsche Vacuum Oel AG - Raffinerie
Hüttenstraße Häfen Hüttenstraße HB, 4 Geschosse entfestigt
Häfen Hüttenstraße Bunker abgerissen
Franke Werke - Stahlbau
Richard-Dunkel-Straße Neustadt Richard-Dunkel-Straße HB, 5 Geschosse abgerissen
Kalisyndikat - Kali-Umschlag
Südweststraße Häfen Südweststraße RB, 1 Geschoß vorhanden
Verkehrswesen
Reichsbahn
Mitte Theodor-Heuss-Allee - Hauptbahnhof, Betriebswerk HB, 2 Geschosse abgerissen
Theodor-Heuss-Allee Mitte Theodor-Heuss-Allee - Hauptbahnhof, Betriebswerk LS-Turm vorhanden
Mitte Friedrich-Rauers-Straße - Hauptbahnhof, Güterabfertigung LS-Turm abgerissen
Waller Straße Walle Waller Straße - Rangierbahnhof HB, 2 Geschosse vorhanden
Mählandsweg Gröpelingen Mählandsweg - Rangierbahnhof HB, 6 Geschosse "Kletterbunker"
Mählandsweg Gröpelingen Mählandsweg - Rangierbahnhof HB, 2 Geschosse vorhanden
Feldweg Gröpelingen Feldweg - Rangierbahnhof HB, 2 Geschosse vorhanden
Beim Neustadtsgüterbahnhof Neustadt Beim Neustadtsgüterbahnhof - Güterabfertigung Bremen-Neustadt Unterstand, erdversenkt vorhanden
Saarburger Straße Hemelingen Saarburger Straße - Ausbesserungswerk HB, 2 Geschosse entfestigt
Saarburger Straße Hemelingen Saarburger Straße - Ausbesserungswerk Röhrenbunker abgerissen
Pötjerweg Farge Pötjerweg - Betriebswerk Farge-Vegesacker-Eisenbahn Einmann-Splitterschutzzelle vorhanden
Hafen
Häfen Cuxhavener Straße - Hafenbauamt, Fernsprechzentrale HB, 5 Geschosse abgerissen
Stephanikirchenweide Häfen Stephanikirchenweide - Hafen kleiner Dombunker vorhanden
Versorgung
Werderstraße Wasserwerk Werderstraße Anbau-Bunker vorhanden
 
Quellenangabe:
- Michael Foedrowitz: Bunkerwelten
- Michael Foedrowitz: Luftschutzturme und ihre Bauarten 1934-1945
- Michael Foedrowitz: Die Luftschutzturme der Bauart Winkel in Deutschland
- Butterwegge u.a.: Bremen - Friedenshauptstadt oder Rüstungszentrum?
- Reinhold Thiel: Focke-Wulf Flugzeugbau
- Archiv Peter Kurze
 
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