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Rubrik: Luftabwehr Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Eine aktive Hawk-Stellung
 Relikte des Kalten Krieges: 
Allgemeine Informationen über den NATO-Luftverteidigungsgürtel in Niedersachsen während des Kalten Krieges sind auf der Themenseite nachzulesen.

Die Bilder auf dieser Seite stammen von der niederländischen Hawk-Stellung der 326 Squadron, 3. GGW. Sie befand sich auf dem Berg Preußischer Velmerstot, südlich der Stadt Horn-Bad Meinberg in Nordrhein-Westfalen gelegen. Der Berg ist die höchste Erhebung des Eggegebirges, seine Gipfelhöhe beträgt 468 m. Die FlaRak-Stellung war direkt auf dem Gipfel eingerichtet und hatte von daher perfekte Bedingungen für die Radargeräte.
Die Anlage ist am 1. August 1964 bezogen worden. In der Folgezeit blieb die 326 Sqn Hausherr auf dem Berg. Erst Ende der 1980er Jahre fanden Veränderungen statt. Die Einheit verlegte von August 1987 bis März 1990 in die vormals belgische Hawk-Stellung Willebadessen. In dieser Zeit ist die Stellung Velmerstot für das neue FlaRak-System Patriot umgebaut worden. Am 1. April 1990 konnte die 326 Sqn wieder auf den Velmerstot ziehen und nun den Betrieb mit Patriot aufnehmen. Zum 1. Juli 1994 verlegte die Squadron in die Niederlande und gab die Stellung auf. Es sollte aber noch bis zum August 2003 dauern, bis die ehemalige Militäranlage abgerissen und das Gelände wieder für die Allgemeinheit freigegeben wurde. Heute erinnern keinerlei Gebäude an die militärische Vergangenheit des Berges.

System Hawk:
Das System Hawk dient zur Abwehr von schnellfliegenden Luftfahrzeugen im niedrigen bis hohen Luftraum. Ab 1963 wurde es von der Luftwaffe der Bundeswehr und der Koninklijke Nederlandse Luchtmacht in Niedersachsen stationiert. Die Gliederungen und Stellungen sämtlicher Hawk-Verbände in Niedersachsen sind auf einer eigenen Seite dargestellt.

Die Leistungsdaten der ursprünglichen Version, MIM-23 A, waren eine Reichweite von 25 km und maximale Höhe von 13.700 m. Der 584 kg schwere Flugkörper erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 650 m/sec Die Rakete hatte eine Länge von 5,08 m, Durchmesser 0,37 m und Spannweite von 1,19 m. Der Gefechtskopf war mit 54 kg beladen und erzeugte 1.700 Splitter.

Es gab im Laufe der bis in die Gegenwart andauernden Nutzungszeit diverse Kampfwertsteigerung, zwischen 1975 und 1978 eine umfassende, das System trägt seitdem auch die Bezeichnung "Improved Hawk". Die Leistungsdaten dieser Version, der MIM-23 B waren deutlich gestiegen. Die Reichweite der Raketen lag nun bei 40 km und die größte Höhe bei 17.700 m. Als Höchstgeschwindigkeit konnte jetzt 900 m/sec erreicht werden. Die Maße des Flugkörpers blieben fast unverändert. Das Gewicht stieg auf 635 kg. Der neue Gefechtskopf trug 75 kg und erzeugte 16.000 Splitter.

Das System ist mobil ausgelegt und sollte in Krisenzeiten die ortsfesten Anlagen verlassen und Feldstellungen beziehen. Im Frieden lagen die Einheiten jedoch in ausgebauten Einsatzstellungen: Feuerleitung, Radar und Raketen in einem umzäunten Bereich vereint.
Eine Batterie ist im Regelfall in zwei voneinander unabhängig operierende Abschußgruppen zu je drei Startgeräten mit je drei Flugkörpern gegliedert. Dadurch können zwei Ziele gleichzeitig bekämpft werden.
Die Komponenten der Batterieführung im Einzelnen:

  1. BCC (Battery Control Central) - S 280 = Feuerleitanlage und Gefechtsstand, in einem auf LKW verlasteten Container.
  2. PCP (Platoon Command Post) = Feuerleitstand für eine Halb-Batterie, auf Anhänger.
  3. ICC (Information Coordination Central) - M 390 = Lage- und Auswertezentrale mit Freund/Feind-Abfrage, auf Anhänger.

Dazu kommen die Radargeräte:

  1. PAR (Pulse Acquisition Radar) - AN-MPQ 501 XD = Impuls-Erfassungsradar zur Luftraumüberwachung mit 110 km Reichweite, auf Anhänger.
  2. CWAR (Continuous Wave Acquisition Radar) - AN-TPQ 30-15 = Dauerstrich-Erfassungsradar zur Zielerfassung, auf Anhänger.
  3. ROR (Range Only Radar) - AN-MPQ 34 = Entfernungsmeßradar, auf Anhänger.
  4. HPIR (High Powered Illuminator Radar) - AN-MPQ 33 = Zielverfolgungsradar zur Lenkung der Flugkörper ans Ziel, auf Anhänger. Je Batterie waren 2 Geräte vorhanden.

Schließlich noch Werfer und Ladefahrzeuge im Abschußbereich:

  1. LCHR (Launcher) - M 78 = Dreifachstartgerät, auf Anhänger. Je Batterie waren 6 Geräte vorhanden.
  2. Loader - M 501 = Ladefahrzeug zum Umladen der Flugkörper, auf Kettenfahrgestell. Je Batterie waren 3 Fahrzeuge vorhanden.
  3. Pallet - M 390C = Einachsige Palettenanhänger für den Transport und die Lagerung der Raketen. Je Batterie waren 12 Anhänger vorhanden.
Außerdem gehörten Stromerzeugungsaggregate (SEA) zur Ausstattung der Einheit, verlastet auf Zweiachsanhänger mit absetzbarer Tragbrücke. Sechs davon, mit einer Leistung von je 56 KVA, wurden für den Einsatz benötig, zwei weitere standen als Reserve zur Verfügung.
Schließlich ist noch der auf einem weiteren Anhänger befindliche Prüfstand zum Testen der Flugkörper zu erwähnen.
Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
Google Maps
Fotos:
Die folgenden Bilder wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Hans Jellema

Gefechtsstand
Der Gefechtsstand der Batterie mit -#1- BCC in einem Container auf dem LKW rechts und -#3- ICC in der Mitte

Konsolen
-#1- Die Überwachungs- und Bedienungskonsolen im BCC-Container

BCC
-#1- Im BCC-Container

PCP
-#2- Konsole im PCP-Container

PAR
-#4- Das Luftraumüberwachungsradar PAR

HPIR, CWAR
links: -#7- HPIR = Zielverfolgungsradar,
rechts: -#5- CWAR = Zielauffassungsradar.

Launcher
-#8- Verschiedene Ansichten des Dreifachstartgeräts (Launcher) mit drei Flugkörpern Hawk

Launcher
-#8- Launcher

Launcher
-#8- Launcher

Abschußplattform
-#8- Der Launcher auf der Abschußplattform

Abschußplattform
-#8- Eine typische Abschußplattform. Der Wetterschutz für das Dreifachstartgerät ist hier aufgeklappt.
Wetterschutz
Der faltbare Wetterschutz im geschlossenen Zustand
Loader
-#9- Loader zum Umladen vom Transportanhänger auf den Launcher
Transportanhänger
-#10- Flugkörper auf Transportanhänger für den Nachschub
Pallet
-#10- Pallet beladen mit drei Raketen
 
Quellenangabe:
- Archiv Hans Jellema
- Karl Anweiler, Rainer Blank: Die Rad - und Kettenfahrzeuge der Bundeswehr
- Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper: Blazing Skies
- Rinus Nederlof: Blazing Skies
 
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