Relikte.com
Zur StartseiteInfo über dieses WebÜbersicht der LiegenschaftenRelikte durchsuchenLiteratur-DatenbankHyperlink-DatenbankKontakt zum Webmaster
Rubrik: Luftschutz Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Weitere Luftschutzanlagen in Niedersachsen
 Bis und ab 1945: 
Auf dieser Seite werden Luftschutzanlagen vorgestellt, die sich außerhalb der größeren Luftschutzorte in Niedersachsen befinden.
Im vorgestellten Gebiet liegen Städte, in denen zahlreiche Bunker und Luftschutzstollen errichtet wurden: Braunschweig, Bremen, Bremerhaven, Emden, Hannover, Osnabrück, Salzgitter und Wilhelmshaven. Daneben hat man in diversen weiteren Orten nur vereinzelt diese Schutzbauten errichtet, hier wird eine Auswahl gezeigt.

 Hinweis: 
Es ist ein interessantes Buch über Luftschutzbauten in Norddeutschland erschienen:
Titel: Bunkerwelten
Autor: Michael Foedrowitz
Verlag: Ch. Links Verlag
ISBN: 3-86153-155-0

Fotos:

Luftschutzturm
Luftschutzturm der Bauart Winkel in Lehrte

 
Karte
 

-#1- Cuxhaven
Cuxhaven ist vor Beginn des II. Weltkrieges noch als Luftschutzort 1. Ordnung klassifiziert worden, diese Einstufung ließ man später aber wieder fallen. Die Stadt besaß zwar einige Einrichtungen der Kriegsmarine, wie Minensucherhafen und Sperrwaffenarsenal, die sich daraus ergebende Gefährdung für die Zivilbevölkerung hat man aber anscheinend zunächst nicht mehr hoch eingeschätzt. Erst zum Ende des Krieges hin entstand der einzige bombensicherer Hochbunker im Ort. Anders sah es dagegen bei der aktiven Luftabwehr aus, siehe Seite Flakschutz für Cuxhaven.
 
Cuxhaven Hochbunker Rathausstraße:
Mit der Errichtung dieses 4geschossigen Luftschutzbunkers ist erst Anfang 1944 begonnen worden. Wegen dieses späten Zeitpunktes, und als Ausgleich für versäumte frühere Bauvorhaben, wurde er besonders massiv ausgeführt. Man hat ihn mit der damals modernsten "Braunschweiger Bewehrung II" gebaut. Die Abschlußdecke war bis zu enormen 300 cm stark, die Außenwände 200 cm.

-#2- Sande
Der Ort Sande liegt in unmittelbarer Nähe zur Stadt Wilhelmshaven, dem wichtigsten Hafen der Kriegsmarine. In Wilhelmshaven hatte man während des II. Weltkrieges zahlreiche Luftschutzbunker errichtet. Aus den Zuweisungen von Mitteln für die Stadt konnte auch etwas für den Vorort Sande verwendet werden. Im Ort befanden sich zwei für das Militär bedeutende Objekte. Zum einen war der Bahnhof ein wichtiger Umsteigepunkt zwischen Wilhelmshaven und den weiteren Standorten in Ostfriesland. Zum anderen lag im Ortsteil Sanderbusch das große Marinelazarett, welches hauptsächlich mit Patienten der Garnison Wilhelmshaven belegt war.
 
Sande
 
Bahnhof
Rundbunker Bahnhof:
Direkt vor dem Bahnhof von Sande wurde dieser 6geschossige Rundbunker errichtet. Er ist 1943 fertiggestellt worden und bot 600 Personen Platz. Die Bauweise der Rundbunker war in Wilhelmshaven recht verbreitet. Dieses Exemplar ist 18 m hoch und hat einen Durchmesser von 17 m, die Stärke der Außenwände beträgt 220 cm.
Nach Kriegsende nutzte zunächst ein Vulkanisierbetrieb den Bunker als Produktionsstätte. Im Jahre 1947 setzten die Briten die Vorgaben der Siegermächte um und sprengten den Turm. Dabei wurde auf Höhe des Erdgeschosses die Außenwand zerstört, der Bunker neigte sich um 18°, blieb aber in dieser Position stehen. Die überwiegende Masse des Turms ist in seiner Form völlig intakt geblieben.
Im Mai 1983 erwarb die Sektion Wilhelmshaven des Deutschen Alpenvereins den Bunker um ihn zu einem Klettergarten auszubauen. Dieses Vorhaben wurde mit der Eröffnung 1986 verwirklicht. Zunächst sind an der Außenwand Kletterrouten eingerichtet worden, später kamen auch im Innenraum welche dazu. Die durch die Sprengung entstandenen Öffnungen wurden inzwischen vermauert und abgedichtet. 1999 stellten die Behörden diesen eindrucksvollen Koloß unter Denkmalschutz.
Die DAV-Sektion Wilhelmshaven berichtet im Internet über ihren Turm: http://www.dav-wilhelmshaven.de/turm1.htm
 
Marinelazarett Operationsbunker Marinelazarett:
Das ausgedehnte Marinelazarett im Ortsteil Sanderbusch ist im Jahre 1942 fertiggestellt worden. Für die Aufrechterhaltung des Krankenhausbetriebes auch bei Luftalarm, hat die Kriegsmarine am Nordrand der Klinik diesen Operationsbunker errichtet. Er verfügt über fünf Geschosse und ist baulich mit dem Lazarett verbunden.
Die Klinik stand nach Ende des II. Weltkrieges zunächst weitgehend leer. Ab dem Winter 1947/48 begann eine neue Verwendung als ziviles Krankenhaus. Auch wurde ein Alten- und Pflegeheim in vorhandenen Gebäuden eingerichtet. Seit 1976 lautet die Bezeichnung der Klinik "Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch".
Der Bunker wird heute vom Krankenhaus für den Versorgungsbetrieb mitgenutzt.

-#3- Oldenburg
Die Stadt Oldenburg zählte mit fast 80.000 Einwohnern während des II. Weltkrieges zu den großen Orten im Gebiet des heutigen Niedersachsen. Im Stadtgebiet befanden sich diverse Kasernen, am Nordwestrand lag der Fliegerhorst Oldenburg. Die Stadt wurde erst ab 1943 als Luftschutzort 1. Ordnung klassifiziert, deshalb konnte im Krieg lediglich nur noch ein einzelner vollwertiger Luftschutzbunker errichtet werden. Es handelte sich dabei um den 6geschossigen Hochbunker für 4.000 Personen in der Moslestraße, in der Nähe des Hauptbahnhofes. Er wurde in der Nachkriegszeit abgerissen. Daneben standen im Stadtgebiet sieben Tiefstollen, und etliche weitere kleine Luftschutzanlagen zur Verfügung.
 
Oldenburg
 
Wilhelmstraße
Erdbunker Wilhelmstraße:
Bei dieser Luftschutzanlage, auf dem Gelände eines ehemaligen Hospitals gelegen, handelt es sich um einen der Bunker leichterer Bauweise, von denen in Oldenburg diverse Exemplare hauptsächlich in den ersten Jahren des II. Weltkrieges errichtet wurden. Mit der Hälfte seiner Bauhöhe ist er in den Erdboden eingelassen worden, er erstreckt sich lediglich über eine Ebene.
Der Bunker ist heute eines der letzten Überbleibsel seiner Art in Oldenburg und wird für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

-#4- Kirchweyhe
Die Ortschaft Kirchweyhe erreichte durch einen großen Verschiebebahnhof einige strategische Bedeutung für die Sicherung der Nachschubwege. Der Bahnhof liegt an der Strecke von Osnabrück nach Norden. Hier wurden Züge aufgeteilt um in Richtung Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven, oder über die Güterumgehungsbahn an Bremen vorbei Richtung Hamburg und Schleswig-Holstein weiter zu fahren.
Der Bahnhof erstreckt sich über fast sechs Kilometer bis nach Barrien. Im Süden liegen die Abstell- und Verschiebegleise, im Norden befand sich ein Reichsbahn-Betriebswerk. Die gesamte Anlage war früher einer der größten Verschiebebahnhöfe Europas.
Die ausgedehnten Gleisanlagen im Südbereich des Bahnhofs dienen heute der IVG-Tochter VTG als Abstell- und Wartungsplatz für einen Teil des von ihr verwalteten Kesselwagen-Pools des Bundes. Die Aufgabe dieser Waggons ist auf der Seite "NATO-Pipeline" in einem Absatz geschildert. Das Betriebswerk im Norden nutzt eine Instandsetzungsfirma als Werkstatt zur Wartung und Reparatur der Kesselwagen.
 
Kirchweyhe
 
Rundbunker
Rundbunker Bahnhof:
Neben dem früheren Betriebswerk sind heute zwei baugleiche Rundbunker zu finden. Sie bieten relativ wenig Grundfläche, waren aber durch eine mächtige Abschlußdecke geschützt.
In der Nähe befanden sich zwei weitere Röhrenbunker, die wesentlich geringere Stabilität besaßen. Sie wurden vor wenigen Jahren vollständig abgerissen.

-#5- Lingen
Auch in der Stadt Lingen war es die Eisenbahn, die zum Schutz ihres Personals einen größeren Bunker errichtete. Im Ort befand sich das Reichsbahn-Ausbesserungswerk für Dampfloks und Personenwagen. Auf der Ostseite des Bahnhofs befinden sich noch heute die imposanten Hallen der früheren Lokomotiv-Werkstätten. Südlich abgesetzt lag die Wagenabteilung des AW.
 
Lingen
 
Ausbesserungswerk
Luftschutzturm Ausbesserungswerk:
Im Bereich der ehemaligen Wagenabteilung steht dieser Luftschutzturm der Bauart Winkel. Errichtet wurde der Bunker in Lizenz durch das Duisburger Bauunternehmen Franz Brüggemann. Typisch für die von Brüggemann gebauten Winkeltürme ist das eingeprägte Firmenschild neben dem Hauptzugang. Es wurde in der Bauphase mit einem Stempel in den frisch gegossenen Beton eingepreßt.
Der Text der nebenstehenden Abbildung ist unten vollständig lesbar wiedergegeben.
L.WINKEL & CO.
LUFTSCHUTZTÜRME
DUISBURG
VETRIEB GEMÄSS §8 DES R.L.
GESETZES GENEHMIGT
———————————
AUSFÜHRUNG:

FR. BRÜGGEMANN
DBG.HAMBORN

-#6- Lehrte
Die vergleichsweise kleine Stadt Lehrte ist während des II. Weltkrieges als Luftschutzort 2. Ordnung eingestuft worden. Das lag an der großen Bedeutung der Bahnanlagen im Ort. Hier kreuzt sich die Strecke Berlin-Ruhrgebiet mit einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung. Für den Eisenbahnbetrieb steht am Westrand von Lehrte ein großer Rangierbahnhof in der Nutzung.
 
Lehrte Hochbunker Personenbahnhof:
Dieser 3geschossige Bunker ist von der Reichsbahn mitten im Personenbahnhof von Lehrte errichtet worden. Er befindet sich zwischen den Gleisen auf einem Bahnsteig und diente dem Schutz der Reisenden und Beschäftigten. Zur Tarnung wurde er durch ein Spitzdach an den Stil gewöhnlicher Bahnhofsgebäude angepaßt.
In der Nachkriegszeit ist der Bunker entfestigt worden, zahlreiche Fensterdurchbrüche wurden in die Außenwände gesprengt. Die Bahn konnte daraufhin das Gebäude für ihre Zwecke nutzen. Heute fällt der Bunker durch die starke Umrankung auf, die das Bauwerk fast vollständig umschließt.
 
Rangierbahnhof Luftschutzturm Rangierbahnhof:
Im Bereich der Betriebsanlagen des Rangierbahnhofs ließ die Reichsbahn diesen Luftschutzturm der Bauart Winkel, Typ II c errichten. Er bot dem Eisenbahnpersonal 400 Schutzplätze in unmittelbarer Nähe ihrer Arbeitsstätten.
Heute ist der Bunker ein interessantes Beispiel dieser besonderen Bauweise und zeigt sich äußerlich in einem recht guten Zustand.

-#7- Hildesheim
Hildesheim besaß für die Reichsbahn einige Wichtigkeit als Knotenpunkt. Weiterhin war in der Stadt relativ bedeutende Rüstungsindustrie angesiedelt. Es handelte sich dabei um Produktionsstätten wichtiger Komponenten für Land-, Wasser- und Luftfahrzeuge, wie die "Vereinigte Deutsche Metallwerke" und die "Trillkewerke" von Bosch. An militärischen Einrichtungen existierten im Stadtgebiet mehrere Kasernen, am Nordrand lag der Fliegerhorst Hildesheim.
Von den Alliierten ist die Stadt erst sehr spät in die Planungen für Bombardierungen aufgenommen worden. Erst Ende 1944 wurde der erste Bombenangriff auf Hildesheim geflogen, vorher fanden nur vereinzelte Abwürfe statt. Im März 1945 erfolgten drei Angriffe, bei dem letzten vom 22. des Monats sind das Stadtzentrum und die umliegenden Wohngebiete stark zerstört worden.
Hildesheim war von der Führung als Luftschutzort 2. Ordnung eingestuft worden, im Ort wurden dementsprechend keine bombensicheren Hochbunker gebaut. Das Stadtzentrum ist von einer begrünten Wallanlage umgeben, die zum Teil große und steile Höhenunterschiede aufweist. Hier konnten in relativ geschützter Lage mehrere Luftschutzstollen hineingetrieben werden.
 
Hildesheim
 
Liebesgrund
 
Luftschutzstollen Liebesgrund:
Ein äußerlich recht interessantes Exemplar der Hildesheimer Stollen ist diese Anlage im Bereich Liebesgrund. Der Stollen verfügte über einen Hauptzugang mit verklinkerter Einfassung und einen Notausstieg. Beide Türen sind heute zugemauert, kleine Öffnungen ließ man frei. Demnach dient dieser LS-Stollen heute als Fledermausquartier.
Kehrwiederwall Luftschutzstollen Kehrwiederwall:
Bei diesem LS-Stollen im Hang des Kehrwiederwalls ist nur ein Zugang zu finden. Für diese Anlage ist dokumentiert, daß eine Stollenlängen von 300 m vorhanden war, die bis zum Mai 1944 um weitere 500 m erweitert wurde. Auch dieser Stollen ist zugemauert worden, ebenso sind die kleinen Einfluglöcher für Fledermäuse vorhanden.

Quellenangabe:
- Michael Foedrowitz: Bunkerwelten
- Hermann Meyer-Hartmann: Zielpunkt 52092 N 09571 O
 
Copyright: © by "Relikte in Niedersachsen und Bremen", siehe Seite "Info". Seitenanfang