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Rubrik: Tanklager Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Die NATO-Tanklager in Niedersachsen
 Relikte des Kalten Krieges: 
Während des Kalten Krieges wurden für den Bedarf des Militärs geschützte Tanklager eingerichtet. Die Treibstoffversorgung der vollmotorisierten NATO-Truppen war einer der sensibelsten Bereiche der militärischen Logistik. Zum einen wurden sehr große Mengen Treibstoffe benötigt. Bereits in Friedenszeiten waren die Tanklager zweckmäßig, um die Versorgung von Großverbrauchern darüber abzudecken. Zum anderen war das Gut durch seine Entzündlichkeit besonders gefährlich und gleichzeitig bei Angriffen gefährdet. Dementsprechend sind die Tanks durch Beton und Erdüberdeckung geschützt gewesen. Damit sollte für den Verteidigungsfall ein Schutz gegen Angriffe mit konventionellen Waffen bewirkt werden.
Zu Zeiten des Kalten Krieges ist in vielen Fällen eine Tarnung der Lager durch Verschleierung betrieben worden. Die Objekte waren überwiegend nicht als Militärische Bereiche gekennzeichnet. Insbesondere die FBG- und die IVG-Tanklager konnten wie zivile Objekte erscheinen.
Viele Tanklager sind untereinander, sowie mit den Verbrauchsstellen über Pipelines verbunden gewesen. Darüber berichtet die Seite NATO-Pipeline in Niedersachsen.

Die Kraftstoff-Lagerbehälter waren üblicherweise Stahltanks, welche man durch eine Betonummantelung verstärkt hatte. Zusätzlich schützte eine mächtige Erdüberdeckung die Tanks. Von den Behältern führten Rohrleitungen zu Verteilerplatten. Dort konnten über zahlreiche Schieber die Flüssigkeiten um- und ausgelagert werden. Weitere Leitungen verliefen zu Verladeanlagen für Tankkesselwagen (TKW) und ggf. Eisenbahn-Kesselwagen (EKW). Innerhalb der Tanklager erledigten Pumpen im Niederdruck-Betrieb die Verteil-Aufgaben. Bei vorhandenem Anschluß an Pipelines bestanden dafür abgetrennte Hochdruck-Bereiche.

Die Objekte waren zur Tarnung umfangreich mit Bepflanzungen versehen. Damit ergaben sich besondere Anforderungen an den Brandschutz. Entsprechendes Feuerlösch-Gerät vor Ort, dazu Löschwasser-Zisternen, -Teiche oder Brunnen waren unabdingbar. Daneben war natürlich die ständige Überwachung von Tanks und Leitungen auf Schäden erforderlich. Das nötige Ölwehr-Gerät mußte bereit gehalten werden.

Für den Fall eines Krieges war eine militärische Objekt-Verteidigung der Tanklager vorgesehen. Zu jedem FBG- und IVG-Tanklager existierten Sicherungszüge als inaktive Geräteeinheiten, die mit mobilmachungsbeorderten Reservisten besetzt waren. Sie unterstanden den regional zuständigen Verteidigungsbezirks- bzw. Verteidigungskreiskommandos des Territorialheeres. Für übliche kleinere Tanklager reichte ein Zug. Bei großen Objekten, wie Bramsche, Farge und Nienburg waren zwei bis drei Züge vorhanden.

Der größte Posten eingelagerter Güter war Flugzeug-Treibstoff. In früheren Zeiten ist es hauptsächlich die Sorte JP-4, NATO-Code F-40, gewesen, ab den 1980er Jahren wurde es langsam durch JP-8 (F-34) verdrängt. Außerdem hat man Diesel (F-54), sowie in deutlich geringerem Umfang Benzin (F-46) und Heizöl bevorratet.

Je nach Betreiber und Aufgabe sind die Objekte in unterschiedliche Kategorien aufgeteilt. Diese werden nachfolgend aufgeschlüsselt.

FBG-Tanklager:
Für den Betrieb der NATO-Pipeline und die Mehrzahl der daran angeschlossenen Tanklager war in Deutschland im Frieden die bundeseigene Fernleitungs-Betriebsgesellschaft (FBG) zuständig. Weitere Angaben über die FBG sind auf der Seite NATO-Pipeline zu finden.
Neben dem vermeintlich zivilen Charakter der FBG-Tanklager wurde eine zusätzliche Verschleierung bei der Angabe der Ortsnamen betrieben. Die namensgebenden Ortschaften waren oft etliche Kilometer vom Tanklager entfernt.

NATO-Pipeline und FBG-Tanklager bildeten das Rückgrat der Treibstoffversorgung der NATO in Deutschland. Die geographische Verteilung der Depots zeigte mehrere im westlichen Teil der Bundesrepublik, sowie einige entlang von Stichstrecken Richtung Osten. Die östlichsten Treibstofflager lagen in den rückwärtigen Räumen der Verteidigungsabschnitte von einzelnen Korps der in der Bundesrepublik eingeplanten NATO-Partner.

In Niedersachsen waren folgende FBG-Tanklager vorhanden:

  • FBG-Tanklager Bramsche
  • FBG-Tanklager Oldenburg
  • FBG-Tanklager Breddorf
  • FBG-Tanklager Hodenhagen
  • FBG-Tanklager Hessisch Oldendorf

Diese Objekte sind allesamt während des Kalten Krieges errichtet worden. Nähere Angaben zu den Depots befinden sich am unteren Ende dieser Seite.

IVG-Tanklager:
Neben den vorgenannten NATO-Tanklagern gab es große Treibstofflager für das Militär, die in nationaler Verantwortung standen. Sie wurden von der bundeseigenen Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG) bewirtschaftet. Die IVG ist Muttergesellschaft der FBG. Auch diese Einrichtungen waren an die NATO-Pipeline angeschlossen.
Sie verfügten über deutlich größere Lagerkapazitäten, als die FBG-Tanklager. Der Lagerraum wurde zum Teil auch für die zivile staatliche Ölreserve genutzt.

Im Gebiet von Niedersachen und Bremen existierten zwei Objekte:

Beides sind ehemalige Wifo-Tanklager, die bereits vor und während des II. Weltkrieges errichtet wurden. Nähere Angaben zu den Depots befinden sich am unteren Ende dieser Seite.

Offbase-Tanklager:
Fliegerhorste waren aufgrund ihrer Ausdehnung bei Luftangriffen leicht zu erfassende Objekte. Man versuchte die sich daraus ergebende besondere Gefährdung der Kraftstoffbestände durch die Auslagerung in Depots zu begegnen, die in einiger Entfernung zum Flugplatz errichtet worden sind.
Daher wurden mehrere Kilometer entfernt Offbase-Tanklager gebaut. Über Pipelines konnte der Treibstoff zu den Fliegerhorsten gepumpt werden.

In Niedersachsen bestanden zwei dieser Depots:

  • Offbase-Tanklager Wittmund
  • Offbase-Tanklager Nordholz

Beide lagen weit abseits der NATO-Pipeline und sind daher nicht daran angeschlossen gewesen. Das Tanklager Nordholz konnte sogar nicht einmal über einen Gleisanschluß beliefert werden, hier war eine Zuführung im Straßentransport erforderlich.

Onbase-Tanklager:
Neben den vorgenannten Offbase-Tanklagern waren direkt auf den Einsatz-Fliegerhorsten geschützte Tanklager eingerichtet. Sind mehrere dieser Onbase-Tanklager auf einem Flugplatz vorhanden gewesen, wurden sie überwiegend untereinander mit Rohrleitungen verbunden. Auf den meisten Fliegerhorsten gab es Gleisanschlüsse, über die Eisenbahn-Kesselwagen herangeführt werden konnten. Mittels entsprechender EKW-Verladeanlagen wurde der Treibstoff in die Lagertanks verbracht.

Auf folgenden niedersächsischen Fliegerhorsten waren geschützte Onbase-Tanklager vorhanden:

Nur die Fliegerhorste Ahlhorn und Oldenburg konnten auch über die NATO-Pipeline direkt beliefert werden.

Weitere Tanklager:
Die Bundesluftwaffe verfügte in ihren Luftwaffenversorgungsregimentern über Einheiten mit der Bezeichnung Luftwaffenbetriebsstoffdepot. Dahinter verbargen sich in Norddeutschland überwiegend kleine Lagerbezirke, die auch Gebindelager genannt wurden. Hier hatte man abgepackte Schmierstoffe und in kleineren Mengen auch abgefüllte Kraftstoffe bevorratet. Der Massen-Verbrauch der Luftwaffe stützte sich dagegen fast komplett auf die FBG- und IVG-Tanklager ab.
Über viele Jahre liefen Planungen zur Errichtung eines luftwaffeneigenen Tanklagers in Hesepe. Das Vorhaben wurde jedoch nicht realisiert. In Niedersachsen existierte nur der kleine Lagerbezirk Moordorf in der Gemeinde Elsfleth, welcher vom Luftwaffenbetriebsstoffdepot 61 aus Sögel betrieben worden ist.

Auch die Schiffe der Bundesmarine waren Großverbraucher, für die Treibstoff bevorratet werden mußte. In Niedersachsen gibt es nur einen bedeutenden Marinestützpunkt, mit einer größeren Anzahl dort beheimateter Geschwader: Heppenser Groden in Wilhelmshaven. Dementsprechend besteht dort ein geschütztes Tanklager mit großer Kapazität.

Für die logistischen Anforderungen der Heerestruppen existierten im Lande zahlreiche Korpsdepots (KDp), bzw. Forward Storage Sites (FSTS) der NATO-Partner. Darin gab es umfangreiche Lagerkapazitäten für Kraftstoffe. Überwiegend handelte es sich dabei allerdings um eine ungeschützte Deponierung. Die Lagerbezirke waren als POL-Bereiche bezeichnet, die Abkürzung steht für Petrol Oil Lubricants. In an der Vorderseite offenen Lagerhallen wurden palettierte Kraftstoffkanister oder aufstehende Stahltanks eingestellt. Daneben gab es in einigen KDp bzw. FSTS zusätzlich geschützte Treibstofftanks mit Erdüberdeckung und daran angeschlossene TKW-Abfüllanlagen.

In Niedersachsen waren in diesen Depots geschützte Treibstofftanks vorhanden:

Diese Objekte sind allesamt nicht an die NATO-Pipeline angeschlossen gewesen.

 Zustand: 
Einige Tanklager befinden sich bis heute in aktiver militärischer Nutzung. Sie sind dementsprechend in gutem Zustand. Die überwiegende Zahl wurde jedoch in den Jahrzehnten nach dem Kalten Krieg aufgegeben. Je nach Nachnutzung erfolgten Veränderungen an den Objekten.

 Zugang: 
Sämtliche Tanklager sind nach wie vor nicht zugänglich.

 Hinweis: 
Die NATO informiert über das Thema im Internet:
http://www.nato.int/cps/en/natolive/topics_49151.htm Englisch
Fotos:
Die meisten Bilder stammen vom im Jahr 2014 aufgegebenen FBG-Tanklager Oldenburg.

Wachgebäude
Das Wachgebäude am Haupttor

Transformatorenstation
Die Transformatorenstation für die Stromversorgung aus dem öffentlichen Netz

Löschwasserbehälter
Ein erdüberdeckter Löschwasserbehälter

Brunnenstube
Am Nebentor steht ein erdüberdeckter Brunnen

ND-Verteilerplatte
Die überdachte Verteilerplatte des Niederdruck-Bereichs

Tank 3
Tank 3 mit 2.500 m³ Kapazität

Tank 4
Tank 4 beschriftet mit Jet A-1, welches ein ziviler Flugkraftstoff ist.

E-Verteiler
Elektro-Verteiler mit Not-Aus-Schalter

Befüllstellen
Die Befüllstellen für Tankkesselwagen

Fahrzeugwaage
Am Tor eine Fahrzeugwaage

Betriebsgebäude
Vorne Betriebsgebäude, dahinter Hochdruckpumpstation.

Hochdruckpumpstation
Die Hochdruckpumpstation

Trasse
Trasse der NATO-Pipeline mit Dichtemeßanlage

Wachgebäude
Das Wachgebäude im FBG-Tanklager Hessisch Oldendorf

Verteilerplatte
Auch hier eine überdachte Verteilerplatte

Tank
Ein Tank im IVG-Tanklager Nienburg

Offbase-TL
Kraftstoffbehälter im Offbase-Tanklager Nordholz

Ahlhorn
Onbase-Tanklager Ahlhorn, Tankanlage II.

Oldenburg
Fliegerhorst Oldenburg, Tankanlage II.

Verladeanlage
EKW-Verladeanlage im Fliegerhorst Oldenburg

Verladeanlage
EKW-Verladeanlage im IVG-Tanklager Nienburg

Tanks
Erdüberdeckte Tanks in einem Korpsdepot

Tank 4
Die Beschilderung in einem KDp weist Tank 4 für F-54 (Diesel) aus

Lagerschuppen
Offene Lagerhalle in einem KDp mit abgesenktem Boden für Kraftstofflagerung

Stahltanks
Ungeschützte Stahltanks in einem KDp

 
Die FBG-, IVG und Offbase-Tanklager, soweit auf der Karte darstellbar. Die weiteren Objekte stehen in Zusammenhang mit der NATO-Pipeline.
Die Namen der Objekte erscheinen, wenn man mit dem Mauszeiger darauf weist.

Karte Bramsche Oldenburg Breddorf Hodenhagen Hessisch Oldendorf Münster Mellrich Farge Nienburg Wittmund Nordholz Niehorst Lingen Engden Höfen Rorup Wittmundhafen Upjever Nordholz Oldenburg Ahlhorn Hopsten Gütersloh Twente/NL Lengerich Ochtrup Meppen Wuppertal
 
Im Folgenden werden die Tanklager in Niedersachsen und Bremen vorgestellt.

FBG-Tanklager Bramsche
12 Tanks mit rund 46.000 m³. Mit abgesetzten Abfüllanlagen für TKW und EKW.
Bramsche ist das größte FBG-Tanklager in Niedersachsen.

Bis heute in aktiver Nutzung.

Google-Maps:
FBG-Tanklager Bramsche

Oldenburg
Haupttor des FBG-Tanklagers Oldenburg
FBG-Tanklager Oldenburg
Tatsächlich: Wardenburg-Littel. 6 Tanks mit rund 18.000 m³. Abfüllanlagen für TKW auf dem Gelände.
Fungierte mit als Offbase-Tanklager für den Fliegerhorst Oldenburg.

Das Lager wurde 2014 aufgegeben.

Google-Maps:
FBG-Tanklager Oldenburg

Breddorf
Haupttor des FBG-Tanklagers Breddorf
FBG-Tanklager Breddorf
Tatsächlich: Ostereistedt. 4 Tanks. Abfüllanlagen für TKW auf dem Gelände.
Endstelle im rückwärtigen Gebiet des I. Korps der Niederländischen Armee.

Das Gelände wird heute von einem Hunde-Verein genutzt.

Google-Maps:
FBG-Tanklager Breddorf

Hodenhagen
Haupttor des FBG-Tanklagers Hodenhagen
FBG-Tanklager Hodenhagen
Tatsächlich: Hademstorf. 4 Tanks mit rund 17.000 m³. Abfüllanlagen für TKW auf dem Gelände.
Endstelle im rückwärtigen Gebiet des I. Korps der Bundeswehr.

Das Lager wurde 2014 aufgegeben.

Google-Maps:
FBG-Tanklager Hodenhagen

Hessisch Oldendorf
Haupttor des FBG-Tanklagers Hessisch Oldendorf
FBG-Tanklager Hessisch Oldendorf
Tatsächlich: Hameln-Unsen. 4 Tanks mit rund 17.000 m³. Abfüllanlagen für TKW auf dem Gelände.
Endstelle im rückwärtigen Gebiet des I. Korps der British Army of the Rhine.

Das Gelände wird heute zivil genutzt.

Google-Maps:
FBG-Tanklager Hessisch Oldendorf

Farge
Haupttor des IVG-Tanklagers Farge
IVG-Tanklager Farge
Bremen-Farge. 78 Tanks mit 312.000 m³. Abfüllanlagen für TKW und EKW auf dem Gelände, abgesetzte Verladeanlage für seegängige Schiffe.
Weiteres dazu auf der Seite über das Wifo-Tanklager Bremen-Farge.

Das Lager wurde 2014 aufgegeben.

Google-Maps:
IVG-Tanklager Farge

Nienburg
Haupttor des IVG-Tanklagers Nienburg
IVG-Tanklager Nienburg
Nienburg-Schäferhof. 24 Tanks mit 80.000 m³. Abfüllanlagen für TKW und EKW auf dem Gelände.
Weiteres dazu auf der Seite über das Wifo-Tanklager Schäferhof.

Das Objekt wird heute als ziviles Tanklager genutzt.

Google-Maps:
IVG-Tanklager Nienburg

Nordholz
Haupttor des Offbase-Tanklagers Nordholz
Offbase-Tanklager Nordholz
2 Tanks.
Versorgung des Marinefliegerhorstes Nordholz.

Das Objekt wird heute für Biogas-Produktion genutzt.

Google-Maps:
Offbase-Tanklager Nordholz

  Offbase-Tanklager Wittmund
2 Tanks.
Versorgung der Fliegerhorste Wittmundhafen und Upjever.

Bis heute in aktiver Nutzung.


Quellenangabe:
- BMVg: Rahmenkonzept zum Fachinformationssystem POL
- MWV: Mineralölversorgung mit Pipelines
- BIMA: Exposés Tanklager Schäferhof, Bremen-Farge, Oldenburg
 
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