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Rubrik: Kriegsgefangenenlager Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Das Stalag VI B/Z - Zweiglager Fullen (Emslandlager X)
 Bis 1945: 
Die Geschichte der einzelnen Lager des Stalag VI B ist in einigen Teilen identisch, bzw. kann nicht nach den Standorten aufgeteilt werden. Grundsätzliches ist deshalb auf der Seite "Stalag VI B Versen" nachzulesen.

Das Lager Fullen, knapp 4 km westlich vom Ort gelegen, ist bereits vor Baubeginn der II. Welle der Emslandlager für den Reichsarbeitsdienst (RAD) errichtet worden. Der Arbeitsdienst war in der 1930er Jahren im Emsland zur Kultivierung der großen Moorgebiete eingesetzt. Anfang 1938 wurde der RAD von dieser Aufgabe entbunden. Fortan sollten Strafgefangene diese Arbeiten übernehmen. Auch Fullen gehörte zur zweiten Welle der Emslandlager, welche man für die Unterbringung dieser Sträflinge aufbaute. Da die hier die Infrastruktur bereits weitgehend vorhanden war, konnte es zügig belegt werden. Im September 1938 sind bereits 1.200 Strafgefangene registriert.

Nach Ausbruch des II. Weltkrieges im September 1939 übernahm das Wehrkreiskommando VI aus Münster den Standort. Die Häftlinge mußten nun verlegt werden, da die Wehrmacht Fullen als Kriegsgefangenenlager nutzen wollte. Es wurde zunächst als eines von drei Zweiglagern dem Mannschaftsstammlager (Stalag) VI B Versen unterstellt. Im Mai 1942 fand eine Umstrukturierung statt. Das Stalag VI B hat man aufgelöst, die Standorte nun dem Stalag VI C Bathorn zugeordnet.
Über die Belegung von Fullen in der ersten Zeit liegen keinen Daten vor. Erst nach dem Westfeldzug 1940 ist dokumentiert, daß französische Kriegsgefangene hier untergebracht waren. Ab Juni 1940 sind 400 polnische Offiziersanwärter verzeichnet. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941 kam eine größere Anzahl Gefangener der Roten Armee nach Fullen. Im September des Jahres waren 1.700 Soldaten dieser Armee im Zweiglager einquartiert.
Die Kriegsgefangenen sind zu Arbeiten in der Landwirtschaft und in gewerblichen Betrieben herangezogen worden. In der Umgebung befanden sich Torfwerke sowie Tongruben und Ziegeleien. Bis 1941 setzte man sie auch zur Moorkultivierung ein.
Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten im Jahr 1943 kamen im September zahlreiche italienische Soldaten als Internierte nach Fullen. Sie und die sowjetischen Kriegsgefangenen erfuhren die schlechteste Behandlung im Lager. Die Lebens- und Arbeitsumstände waren für diese Menschen so schlecht, daß es zu zahlreiche Toten kam. Bei Standesamt Groß Fullen sind bis zum Kriegsende allein 404 verstorbene Italiener verzeichnet.
Kanadische Verbände besetzen im April 1945 die Gegend, damit erfolgte auch für das Zweiglager Fullen die Befreiung.

 Ab 1945: 
Die Gebäude des ehemaligen Stalag sind in der Nachkriegszeit vollständig abgerissen worden. Die Fläche ging in landwirtschaftliche Nutzung über. Lediglich das Wasserwerk blieb längere Zeit in Betrieb. Es wurde jedoch später durch eine modernere Anlage auf der gegenüberliegenden Straßenseite ersetzt.
Heute erinnert nur noch eine Informationstafel an die frühere Bedeutung dieses Ortes.

 Zustand: 
Auf dem Feld des ehemaligen Lagers sind keine Spuren mehr zu finden.

 Zugang: 
Das Gelände des ehemaligen Lagers ist frei zugänglich.

 Hinweis: 
Das Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager ist im Internet zu finden:
http://www.diz-emslandlager.de
Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
Google Maps

Fotos:

Landwirtschaft
Am Ort des ehemaligen Lagers ist heute landwirtschaftliche Nutzfläche

 
Karte
Maßstab
 
Quellenangabe:
- Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945 - Band 3: Niedersachsen II
- Martin Weinmann: Das nationalsozialistische Lagersystem
- Erich Kosthorst, Bernd Walter: Konzentrations- und Strafgefangenenlager im Dritten Reich, Beispiel Emsland
- DIZ: http://www.diz-emslandlager.de/lager/lager10.htm
 
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