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Rubrik: Kriegsgefangenenlager Translation: English French Spanish Italian Dutch Danish Polish Russian
Das Stalag VI B/Z - Zweiglager / Oflag 6/Z WK VI - Zweiglager Wesuwe
(Emslandlager VIII)
 Bis 1945: 
Die Geschichte der einzelnen Lager des Stalag VI B ist in einigen Teilen identisch, bzw. kann nicht nach den Standorten aufgeteilt werden. Grundsätzliches ist deshalb auf der Seite "Stalag VI B Versen" nachzulesen.

Im Rahmen der zweiten Welle der Emslandlager ist ab Frühjahr 1938 das Lager VIII Wesuwe aufgebaut worden. Es wurde rund 4,5 km westlich der Ortschaft Wesuwe in einer sehr dünn besiedelten Gegend angelegt. Die Kapazität war auf 1.000 Strafgefangene der Justiz ausgelegt.
Noch bevor das Lager fertiggestellt werden konnte erging die Anweisung, acht Baracken in den Raum Zweibrücken zu verlegen. Dort sollte ein neues Lager entstehen, aus dem Häftlinge beim Ausbau des Westwalls eingesetzt werden konnten. Nach der Annexion des Sudetengebietes in der Tschechoslowakei im Oktober 1938 wurde die Verlegung gestoppt und Häftlinge und Material wieder ins Emsland zurück verlegt. Das Lager in Wesuwe ist danach bis in den Mai 1939 wieder neu aufgebaut worden. Zu einer Belegung mit Strafgefangenen kam es jetzt jedoch nicht mehr.

Nach Ausbruch des II. Weltkrieges im September 1939 übernahm das Wehrkreiskommando VI aus Münster die Einrichtung. Es verwendete Wesuwe nun als Kriegsgefangenenlager. Organisatorisch ist es zunächst als eines von drei Zweiglagern dem Mannschaftsstammlager (Stalag) VI B Versen unterstellt worden. Mitte Mai 1942 fand eine Umstrukturierung in den Unterstellungsverhältnissen statt. Das Stalag VI B wurde aufgelöst und die Standorte dem Stalag VI C Bathorn angegliedert.
In der ersten Zeit war das Lager nur schwach belegt. Zwischen Juni 1940 und April 1941 sind rund 200 polnische Offiziersanwärter nachgewiesen. Danach hat man sie in andere Lager verlegt. Nach dem Angriff auf die Sowjetunion im Sommer des Jahres 1941 folgte für Wesuwe eine starke Belegung mit Gefangenen der Roten Armee. Im September befanden sich etwa 2.100 dieser Soldaten im Standort. Wie in allen vergleichbaren Lagern auch, erfuhren die Menschen aus der Sowjetunion die schlechteste Behandlung. Sie wurden völlig unzureichend versorgt, die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal. So verstarb eine große Anzahl von ihnen an Hunger, Entkräftung und Krankheiten. Auf dem Gelände eines früheren Arbeitsdienstlagers, knapp 1 km nördlich des Zweiglagers, legte man einen Friedhof für die Opfer an. Dort hat man zwischen 2.000 und 4.000 Tote in Massengräbern verscharrt.

Im Jahre 1943 fand eine grundlegende Umstellung für Wesuwe statt. Der Wehrkreis VI richtete in Oberlangen das Offizierslager (Oflag) 6 ein. Diesem ist die Liegenschaft Wesuwe als Zweiglager unterstellt worden. Für die danach folgende Belegung differenzieren die Angaben nicht nach Standorten, daher können keine Zahlen für Wesuwe genannt werden. In beiden Lagern zusammen sind zunächst etwa 5.000 italienische Offiziere einquartiert gewesen. Nachdem man diesen Menschen den Gefangenstatus nahm, indem man sie als Internierte bezeichnete, zog man sie auch zur Zwangsarbeit heran. Dafür wurde sie bis zum September 1944 in andere Orte verlegt.
Im Juli 1944 waren für das Oflag 6 etwa 920 sowjetische Kriegsgefangene verzeichnet. Diese befanden sich vermutlich hier im Standort Wesuwe. Bei der Befreiung des Lagers im April 1945 durch die Alliierten wurden hier zahlreiche sowjetische Gefangene aufgefunden. Daher ist anzunehmen, daß in der letzten Phase überwiegend Soldaten der Roten Armee in Wesuwe untergebracht waren.

 Ab 1945: 
Während in der Nachkriegszeit frühzeitig die Baracken des Gefangenenbereichs abgerissen worden sind, verwendete man die Gebäude im Verwaltungsbereich noch für eine längere Zeit als Behelfswohnlager. Später wurden auch diese Bauten abgerissen. So ist heute die gesamte Fläche in landwirtschaftlicher Nutzung.

 Zustand: 
Vom ehemaligen Zweiglager sind keine Spuren erhalten. Heute erinnern nur noch eine Informationstafel und der Lagerfriedhof an die frühere Bedeutung dieses Ortes.

 Zugang: 
Das Gelände des früheren Lagers ist frei zugänglich.

 Hinweis: 
Das Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager ist im Internet zu finden:
http://www.diz-emslandlager.de
Blick aus der Vogelperspektive mit Google Maps:
Google Maps

Fotos:

Ackerfläche
Das Gelände des früheren Lagers ist heute Ackerfläche

 
Karte
Maßstab
 
Quellenangabe:
- Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945 - Band 3: Niedersachsen II
- Martin Weinmann: Das nationalsozialistische Lagersystem
- Erich Kosthorst, Bernd Walter: Konzentrations- und Strafgefangenenlager im Dritten Reich, Beispiel Emsland
- DIZ: http://www.diz-emslandlager.de/lager/lager08.htm
 
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